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Die Geothermie oder Erdwärme
ist die im zugänglichen Teil der Erdkruste gespeicherte Wärme.
Sie umfasst die in der Erde gespeicherte Energie, soweit sie
entzogen und genutzt werden kann, und zählt zu den
regenerativen Energien.
Sie kann sowohl direkt genutzt werden, etwa zum Heizen und Kühlen
im Wärmemarkt (Wärmepumpenheizung),
als auch zur Erzeugung von elektrischem
Strom oder in einer Kraft-Wärme-Kopplung. Geothermie
bezeichnet sowohl die ingenieurtechnische Beschäftigung mit der
Erdwärme und ihrer Nutzung als auch die wissenschaftliche
Untersuchung der thermischen Situation des Erdkörpers.
Ursprung geothermischer Energie
Geothermie stammt zum Teil (geschätzt: 30–50 Prozent)
aus der Restwärme aus der Zeit der Erdentstehung (Akkretion),
zum anderen (geschätzt: 50–70 Prozent) aus
radioaktiven Zerfallsprozessen, die in der Erdkruste seit
Jahrmillionen kontinuierlich Wärme erzeugt haben und heute noch
erzeugen. Ganz oberflächennah kommen Anteile aus der
Sonneneinstrahlung auf die Erdoberfläche und aus dem
Wärmekontakt mit der Luft dazu.
Die Temperatur im inneren Erdkern beträgt nach verschiedenen
Schätzungen 4800 °C bis 7700 °C. 99 Prozent
unseres Planeten sind heißer als 1000 °C; ca.
90 Prozent des Rests sind immer noch heißer als 100 °C.
Fast überall hat das Erdreich in 1 Kilometer Tiefe eine
Temperatur von 35 °C bis 40 °C (siehe auch
Geothermische Tiefenstufe).
Unter besonderen geologischen Bedingungen – zum Beispiel
in heutigen oder früheren Vulkangebieten – entstehen
geothermische Anomalien. Hier kann die Temperatur viele
hundert Grad Celsius erreichen.
Restwärme aus der Zeit der Erdentstehung
Die Erde ist vor ungefähr 4,6 Milliarden Jahren durch
Akkretion von Materie entstanden. Hierbei erhitzt sich das Material,
wobei potentielle Energie durch Gravitation in Wärme
umgewandelt wird. Diese Wärmeenergie hat sich wegen der
geringen Wärmeleitfähigkeit der Gesteine und damit der
geringen Wärmeabgabe an den Weltraum bis heute zum Teil
erhalten und kann als Restwärme aus der Zeit der Erdentstehung
bezeichnet werden. Zusätzlich wurde der noch jungen,
geschmolzenen Erde erhebliche kinetische Energie (Bewegungsenergie)
beim Einschlag eines Meteoriten zugeführt, in dessen Folge sich
der Mond aus der Erde separierte.
Auch die Wärme, die beim Erstarren des geschmolzenen
Erdgesteins frei wird, zählt zur Ursprungswärme. Noch
heute wird am Übergang vom festen zum flüssigen Teil des
Erdkerns durch das allmähliche Verfestigen zähflüssigen
Kernmaterials Kristallisationswärme freigesetzt.
Radioaktive
Zerfallsprozesse
Dieser Anteil der Geothermie geht auf den natürlichen
Zerfall der im Erdkörper vorhandenen langlebigen radioaktiven
Isotope wie z. B. Uran-235 und U-238, Thorium-232 und Kalium-40
zurück. Diese Elemente sind in die Kristallgitter bestimmter
Minerale eingebaut, beispielsweise in die Feldspäte und Glimmer
in Graniten.
Die Leistung, die aus dem radioaktiven Zerfall resultiert,
beträgt etwa 16·1012 Watt. Bei einem
mittleren Erdradius von 6.371 km beträgt die geothermische
Leistungsdichte des radioaktiven Zerfalls an der Erdoberfläche
etwa 0,032 Watt (32 mW) pro Quadratmeter Erdoberfläche.
Dies würde etwa die Hälfte des terrestrischen Wärmestroms
ausmachen.
Wärmestrom aus dem Erdinneren
Geothermie eignet sich daher vorwiegend zur dezentralen Nutzung.
Die Wärme wird aus tieferen Teilen der Erde durch
Wärmeleitung,
also Konduktion, aber auch mittels
Konvektion durch aufsteigende Tiefenwässer oder Gase,
in für die Nutzung erreichbare Tiefen transportiert.
In geothermisch anomalen Gebieten, wie etwa
in solchen mit einer großen
Wärmestromdichte wie
in aktiven oder geologisch bis
vor kurzem aktiven vulkanischen Bereichen (z. B. in
Deutschland der Schwäbische Vulkan bei Bad Urach) oder
oberhalb auskühlender
Plutonite, bei denen aber die Wärmestromdichte noch über
dem Durchschnitt liegt,
in solchen mit einem hohe
Wärmetransport durch Konvektion, wie in großen
Grabenbrüchen (z. B. Oberrheingraben),
in solchen mit großen
Mengen frei verfügbaren warmen oder heißen
Tiefenwassers, wie an der Basis tiefer Sedimentbecken, an deren
Basis das dort gespeicherte heiße Wasser angezapft wird,
im solchen mit einem Gestein mit einem hohen
Wärmeleitkoeffizienten, wie im Umfeld von Salzdiapiren,
kann der Wärmefluss um ein Vielfaches größer
sein.
Wärmestrom aus dem Erdinneren durch Wärmeleitung
Der terrestrische Wärmestrom, die von der Erde pro
Quadratmeter an den Weltraum abgegebene Leistung, beträgt
durchschnittlich etwa 0,063 W/m² (63 mW/m²)
(Wärmestromdichte).
Wegen der häufig geringen Wärmestromdichte wird bei der
Geothermienutzung außerhalb von Gebieten mit einer erhöhten
Wärmestromdichte zunächst nicht die aus dem Erdinneren
nachströmende Energie, sondern die in der Erdkruste
gespeicherte Energie durch die Abkühlung eines Teils des
Erdkörpers über einen bestimmten Nutzungszeitraum von
einigen Jahrzehnten genutzt:
Zitat aus dem Sachstandsbericht des
Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen
Bundestag „Möglichkeiten geothermischer Stromerzeugung in
Deutschland“:[1]
„Der natürliche Wärmestrom aus dem Erdinnern
liegt bei ca. 70 kW/km² (Anmerkung: entspricht 0,07 W/m²).
Beides zusammen reicht nicht aus, um die bei einer Stromerzeugung
dem Quader zu entnehmende thermische Leistung von mehreren MW
auszugleichen. In diesem Sinne steht eine Erdwärmenutzung immer
für „lokalen Abbau“ der gespeicherten Wärmeenergie.
Geothermische Energie kann also nur in einem weiteren Sinne zu den
regenerativen Energien gerechnet werden“ (da bei rein
konduktiver Wärmenachlieferung meist mehr Energie durch
Abkühlung des erschlossenen Gebirgskörpers abgezogen wird,
als aus dem Erdinneren nachströmt).
Eine Geothermienutzung sollte idealerweise so dimensioniert
werden, dass die Auskühlung des betreffenden Erdkörpers so
langsam voranschreitet, dass in der Nutzungszeit der Anlage die
Temperatur nur in einem Umfang absinkt, der einen wirtschaftlichen
Betrieb der Anlage gestattet. In geothermisch vergleichsweise
inaktiven Gebieten wird gegebenenfalls mehr Wärmeenergie aus
der Erdkruste entnommen, als zunächst natürlich
nachströmen kann. Da die in der Erdkruste gespeicherte Energie
in einem solchen Fall schneller entzogen wird, unterliegt der
Betrieb einer tiefen Geothermie-Anlage in vielen Regionen
Mitteleuropas entsprechenden Begrenzungen. Die Einflussfläche
(Fläche des Quaders) des rein konduktiv nachströmenden
Wärmestrom kann sich jedoch beispielsweise in gut durchlässigen
Aquiferen durch konvektive Ausgleichströme um ein vielfaches
vergrößern.
Der terrestrische Wärmestrom kann gemäß der
Gleichung für den konduktiven Wärmetransport berechnet
werden.
Durch die geringe Wärmeleitfähigkeit von Gesteinen
meist im Bereich von 2 bis 5 Watt * Watt/m * K und dem daraus
resultierenden niedrigen Temperaturgradienten von etwa 2 * K/100m
können technisch nutzbare Temperaturniveaus nur erreicht
werden, in dem möglichst große Bohrtiefen erschlossen
werden. Diese sind bei der tiefen Hochenthalpiegeothermie wiederum
begrenzt durch die begrenzte Temperaturbeständigkeit zum
Beispiel
der Bohrspülung oder von
geophysikalischen Geräten,
die in die Bohrung eingeführt werden müssen, um die
richtige Lage der Bohrung zu kontrollieren oder
die begrenzte Hakenlast der Bohranlage
von bis zu 500 t.
Die Nutzung dieses geringen Wärmestroms von maximal 0,1 *
Watt/m2 auf dem jeweiligen in der Teufe angetroffenen
Temperaturniveau bedarf daher
entweder technischer Hilfsmittel
(bei einem niedrigen Temperaturniveau beispielsweise einer
Wärmepumpe), oder
bei direkter Nutzung eines höheren Temperaturniveaus,
wie es beispielsweise in tieferen Bereichen der Erdkruste der Fall
ist.
Wärmestrom aus dem Erdinneren durch Konvektion
In
kann Wärme wesentlich effektiver in das Geothermieprojekt
nachgeführt werden. Dadurch wird die durch die Bohrung
erschlossene Gesteinsschicht je nach Ausrichtung der Klüfte
vertikal oder horizontal vervielfacht wodurch ein sehr hoher
Wärmestrom realisiert werden kann. Solche Gebiete sind immer
Gebieten vorzuziehen, in denen
Die Berechnung des erschließbaren Wärmestroms ist in
solchen Gebieten nicht mit Hilfe von einfachen Gleichungen möglich,
sondern bedarf der komplexen Analyse, zum Beispiel mit Hilfe von
Finiten Elementen.
Einteilung
der Geothermiequellen
Geothermie kann als Energiequelle zur Erzeugung von Wärme
und Strom genutzt werden. Hierbei wird zwischen der Nutzung der
oberflächennahen Geothermie
zur direkten Nutzung, etwa zum Heizen und Kühlen, meist
als Wärmepumpenheizung, und der
tiefen Geothermie zur direkten Nutzung im Wärmemarkt
oder auch indirekt zur Stromerzeugung unterschieden.
Weiterhin wird zwischen Hoch- und Niedrigenthalpielagerstätten
unterschieden. Hochenthalpie bedeutet, dass derartige Lagerstätten
eine hohe Temperatur bereitstellen.
Tiefe Geothermie
Mit zunehmender Tiefe in der Erdkruste steigt die Temperatur an.
Im Durchschnitt beträgt die Temperaturerhöhung 35 K
bis 40 K pro Kilometer Eindringtiefe (geothermische
Tiefenstufe). Dieser Wert schwankt regional jedoch oft stark.
Abweichungen vom Standard werden als Wärmeanomalien bezeichnet.
Interessant sind besonders Gebiete mit deutlich höheren
Temperaturen. Hier können die Temperaturen schon in geringer
Tiefe mehrere hundert Grad betragen. Derartige Anomalien sind häufig
an Vulkanaktivität geknüpft. In der Geothermie gelten sie
als hochenthalpe Lagerstätten. Sie werden weltweit zur
Stromerzeugung genutzt.
Hochenthalpie-Lagerstätten
Die weltweite Stromerzeugung aus Geothermie wird durch die
Nutzung von Hochenthalpie-Lagerstätten dominiert. Dies sind
Wärmeanomalien, die mit vulkanischer Tätigkeit
einhergehen. Dort sind mehrere hundert Grad heiße Fluide
(Wasser/Dampf) in geringer Tiefe anzutreffen. Ihr Vorkommen
korreliert stark mit Vulkanen in den entsprechenden Ländern.
|
Land
|
Anzahl der Vulkane
|
Ressource Dauerleistung: MWel
|
|
USA
|
133
|
23.000
|
|
Japan
|
100
|
20.000
|
|
Indonesien
|
126
|
16.000
|
|
Philippinen
|
53
|
6.000
|
|
Mexiko
|
35
|
6.000
|
|
Island
|
33
|
5.800
|
|
Neuseeland
|
19
|
3.650
|
|
Italien (Toskana)
|
3
|
700
|
|
(Quelle: Literatur/Statistik, 5.)
|
Abhängig von den Druck- und Temperaturbedingungen können
Hochenthalpie-Lagerstätten mehr dampf- oder mehr
wasserdominiert sein. Früher wurde der Dampf nach der Nutzung
in die Luft entlassen, was zu erheblichem Schwefelgeruch führen
konnte (Italien, Larderello). Heute werden die abgekühlten
Fluide in die Lagerstätte reinjiziert (zurückgepumpt). So
werden negative Umwelteinwirkungen vermieden und gleichzeitig die
Produktivität durch Aufrechterhalten eines höheren
Druckniveaus in der Lagerstätte verbessert.
Das heiße Fluid kann zur Bereitstellung von Industriedampf
und zur Speisung von Nah- und Fernwärmenetzen genutzt werden.
Besonders interessant ist die Erzeugung von Strom aus dem heißen
Dampf. Hierfür wird das im Untergrund erhitzte Wasser genutzt,
um eine Dampfturbine anzutreiben. Der geschlossene Kreislauf im
Zirkulationssystem steht so unter Druck, dass ein Sieden des
eingepressten Wassers verhindert wird und der Dampf erst an der
Turbine entsteht (Flash-Verfahren).
Niederenthalpie-Lagerstätten
In nichtvulkanischen Gebieten können die Temperaturen im
Untergrund sehr unterschiedlich sein. In der Regel sind jedoch tiefe
Bohrungen notwendig; für eine wirtschaftliche Stromerzeugung
sind Temperaturen über 100 °C erforderlich.
Generell werden im Bereich der tiefen Geothermie drei Arten der
Wärmeentnahme aus dem Untergrund unterschieden; welches der in
Frage kommenden Verfahren zum Einsatz kommt, ist von den jeweiligen
geologischen Voraussetzungen, von der benötigten Energiemenge
sowie dem geforderten Temperaturniveau der Wärmenutzung
abhängig. Es wird öfter zur Wärmegewinnung genutzt,
denn da ist der Wirkungsgrad höher. Derzeit (2010) werden in
Deutschland fast ausschließlich hydrothermale Systeme geplant.
HDR-Verfahren befinden sich in den Pilotprojekten in Bad Urach (D),
in Soultz-sous-Forêts im Elsass (F) und in Basel (CH)
in der Erprobung. In Südost-Australien Cooperbecken ist seit
2001 ein kommerzielles Projekt im Gange (Firma Geodynamics
Limited).
Hydrothermale
Systeme
Liegen entsprechende Temperaturen in einem Aquifer vor, so kann
aus diesem Wasser gefördert, abgekühlt und reinjiziert
werden: Im Untergrund vorhandene Thermalwässer zirkulieren
zwischen zwei Brunnen über vorhandene natürliche
Grundwasserleiter. Hydrothermale Energie ist je nach vorliegender
Temperatur zur Wärme- oder Stromgewinnung nutzbar. Die für
hydrothermale Geothermie brauchbaren Horizonte können im
Geothermischen Informationssystem ersehen werden. Außerdem
stellt dieses Informationssystem diverse Auswertemechanismen
hinsichtlich der nutzbaren Aquifere und Temperaturen zur Verfügung.
Petrothermale
Systeme
Das Prinzip der Nutzung der Geothermie aus heißem dichtem
Gestein (HDR)
werden oft auch als HDR-Systeme (Hot-Dry-Rock)
bezeichnet: Ist das Gestein, in dem die hohen Temperaturen
angetroffen wurden, wenig permeabel, so dass aus ihm kein Wasser
gefördert werden kann, so kann dort ein künstlich
eingebrachtes Wärmeträgermedium (Wasser oder auch CO2)
zwischen zwei tiefen Brunnen in einem künstlich erzeugten
Risssystem zirkuliert werden: zunächst wird Wasser mit
(mindestens einer) Injektions- bzw. Verpressbohrung in
das Kluftsystem eingepresst unter einem Druck, welcher so weit über
dem petrostatischen Druck liegen muss, dass die minimale
Hauptspannung in der jeweiligen Teufenlage überschritten wird,
in das Gestein gepresst (hydraulische Stimulation); hierdurch
werden Fließwege aufgebrochen oder vorhandene aufgeweitet und
damit die Durchlässigkeit des Gesteins erhöht. Dieses
Vorgehen ist notwendig, da sonst die Wärmeübertragungsfläche
und die Durchgängigkeit zu gering wären. Anschließend
bildet dieses System aus natürlichen und künstlichen
Rissen einen unterirdischen, geothermischen Wärmeübertrager.
Durch die zweite, die Produktions- oder Förderbohrung,
wird das Trägermedium wieder an die Oberfläche gefördert.
Tatsächlich ist die Annahme, bei
diesen Temperaturen und Tiefen trockene Gesteinsformationen
vorzufinden, nicht korrekt. Aus diesem Grund existieren auch
verschiedene andere Bezeichnungen für dieses Verfahren: u. a.
Hot-Wet-Rock (HWR), Hot-Fractured-Rock (HFR) oder
Enhanced Geothermal System (EGS). Als neutrale Bezeichnung
wird der Begriff petrothermale Systeme verwendet.[2]
Tiefe
Erdwärmesonden
Hier wird vergleichsweise wenig Energie extrahiert: eine tiefe
Erdwärmesonde ist ein geschlossenes System zur
Erdwärmegewinnung. Sie besteht aus einer 2000 bis 3000 m
tiefen Bohrung, in der ein Fluid zirkuliert. In der Regel ist das
Fluid in einem koaxialen Rohr eingeschlossen: Im Ringraum der
Bohrung fließt das kalte Wärmeträgerfluid nach
unten, um anschließend in der dünneren eingehängten
Steigleitung erwärmt wieder aufzusteigen. Derartige
Erdwärmesonden haben gegenüber offenen Systemen den
Vorteil, dass kein Kontakt zum Grundwasser besteht. Sie sind an
jedem Standort möglich. Ihre Entzugsleistung hängt neben
technischen Parametern von den Gebirgstemperaturen und den
Leitfähigkeiten des Gesteins ab. Sie wird jedoch nur einige
hundert kW betragen und somit wesentlich kleiner sein als bei einem
vergleichbaren offenen System. Dies liegt daran, dass die
Wärmeübertragungsfläche mit dem Gebirge sehr klein
ist, da sie nur der Mantelfläche der Bohrung entspricht.
Tiefe
Erdwärmesonden wurden beispielsweise 2005 in Aachen (SuperC der
RWTH Aachen) und Arnsberg (Freizeitbad Nass) gebaut. Ende
2009 wurde in der Schweiz die Forschungsanlage Tiefen-EWS
Oftringen[3] realisiert. Es handelt sich hierbei um eine 706 m
tiefe konventionelle Doppel-U-Sonde, welche 2009 / 2010 im Sinne
einer Direktheizung (also ohne den Einsatz mit einer Wärmepumpe)
getestet wurde.[4]
Alternativ zur Zirkulation von Wasser
(eventuell mit Zusätzen) in der Erdwärmesonde sind auch
Sonden mit Direktverdampfern (Wärmerohre oder aus dem
Englischen Heatpipes) vorgeschlagen worden. Als Arbeitsmittel
kann entweder eine Flüssigkeit mit einem entsprechend niedrigen
Siedepunkt verwendet werden, oder ein Gemisch beispielsweise aus
Ammoniak und Wasser. Eine derartige Sonde kann auch unter Druck und
dann beispielsweise mit Kohlendioxid betrieben werden. Heatpipes
können eine höhere Entzugsleistung erreichen als
konventionelle Sonden, da sie auf ihrer gesamten Länge die
Verdampfungstemperatur des Arbeitsmittels haben können. Tiefe
Erdwärmestichsonden bis 3000 m sind mit einem
Luftpolsterisolierverfahren auszustatten, da hierbei eine erhebliche
Wärmeenergiemenge eingespart wird.[5] Dies kann zu einer
höheren Energieausbeute führen oder es kann eine geringere
Bohrtiefe bei gleicher Leistung zur wesentlichen Kostenminderung
beitragen. Das Isolierkappensystem ist einfach herzustellen und
bietet eine dauerhafte Lösung dieses Problems.
Oberflächennahe
Geothermie
Die Temperaturen der Luft schwanken mit der Jahreszeit sehr
stark. Innerhalb der oberen Schichten des Erdbodens werden diese
Temperaturen jedoch nicht bzw. nur sehr stark gedämpft
nachvollzogen. Aus mathematischer Sicht folgt der Temperaturverlauf
einer harmonischen Schwingung. In 5 bis 10 m Tiefe entspricht
die im Boden gemessene Temperatur praktisch der
Jahresmitteltemperatur des Standortes (ca. 8 bis 10 °C in
Deutschland).
Mittels Erdwärmesonden
(vertikale Bohrungen), Erdwärmekollektoren (horizontal und
oberflächennah ins Erdreich eingebrachte Systeme) oder
Erdwärmekörben,[6] aber auch mit erdgebundenen
Beton-Bauteilen wird die Wärme an die Oberfläche
befördert. Meist kommen Wärmepumpen zum Einsatz, um
Heiz-Anwendungen für Gebäude zu realisieren
(Wärmepumpenheizung). Vor allem im Sommer kann mit einer
Wärmepumpenheizung auch gekühlt werden, während im
Winter sehr viel Heizmaterial eingespart werden kann.
Geothermie
aus Tunneln
Zur Gewinnung thermischer Energie aus
Tunnelbauwerken wird auch austretendes Tunnelwasser genutzt, welches
ansonsten aus Umweltschutzgründen in Abkühlbecken
zwischengespeichert werden müsste, bevor es in örtliche
Gewässer abgeleitet werden darf. Die erste solche bekannte
Anlage wurde 1979 in der Schweiz beim Südportal des
Gotthard-Straßentunnels in Betrieb genommen. Sie versorgt den
Autobahnwerkhof von Airolo mit Wärme und Kälte. Weitere
Anlagen sind zwischenzeitlich dazugekommen, welche vor allem
Warmwasser aus Bahntunneln nutzen. Beim Nordportal des im Bau
befindlichen Gotthard-Basistunnels tritt bereits heute Tunnelwasser
mit Temperaturen zwischen 30 und 34 °C aus. Es soll bald in
einem Fernwärmenetz
genutzt werden. Das Tunnelwasser des neuen Lötschberg-Bahntunnels
wird für eine Störzucht und für ein Tropenhaus
verwendet.[7]
In Österreich wurde ein Verfahren entwickelt, um die Wärme
aus Tunneln mittels eines Transportmediums zu nutzen, welches in
eingemauerten Kollektoren zirkuliert. Für konventionell
vorgetriebene Tunnel wurde das Prinzip unter dem Namen TunnelThermie
bekannt. Durch die großen, erdberührten Flächen
stellt diese relativ junge Technologie ein hohes Nutzungspotenzial
besonders in innerstädtischen Tunnelbauwerken dar.
In Deutschland wurde ein Verfahren
entwickelt, um Geothermie auch in maschinell vorgetriebenen Tunneln
zu nutzen. Dazu sind Kollektoren in Betonfertigteile (sog.
Tübbinge), die die Schale eines Tunnels bilden, eingebaut
(Energietübbing genannt). Da innerstädtische Tunnel in
schwierigen geologischen Verhältnissen häufig im
Schildvortrieb aufgefahren werden, bietet der Energietübbing
die Möglichkeit, auch entlang dieser Strecken das geothermische
Potenzial des Erdreichs zu nutzen.[8]
Geothermie
aus Bergbauanlagen
Bergwerke und ausgeförderte Erdgaslagerstätten, die
wegen der Erschöpfung der Vorräte stillgelegt werden, sind
denkbare Projekte für Tiefengeothermie. Dies gilt eingeschränkt
auch für tiefe Tunnelbauwerke. Die dortigen Formationswasser
sind je nach Tiefe der Lagerstätte 60 bis 120 °C heiß,
die Bohrungen oder Schächte sind oft noch vorhanden und könnten
nachgenutzt werden, um die warmen Lagerstättenwässer einer
geothermischen Nutzung zuzuführen.
Derartige Anlagen zur Gewinnung der geothermischen Energie müssen
so in die Einrichtungen zur Verwahrung des Bergwerks integriert
werden, dass die öffentlich rechtlich normierten
Verwahrungsziele, das stillgelegte Bergwerk (§ 55 Absatz 2
Bundesberggesetz und § 69 Abs. 2 Bundesberggesetz) gefahrenfrei
zu halten, auch mit den zusätzlichen Einrichtungen erfüllt
werden.
Saisonale
Wärmespeicher
Geothermie steht immer, also unabhängig von der Tages- und
Jahreszeit und auch unabhängig vom Wetter zur Verfügung.
Optimal wird eine Anlage, in der das oberflächennahe
Temperaturniveau genutzt werden soll, dann arbeiten, wenn sie auch
zeithomogen genutzt wird. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn
im Winter mit Hilfe einer Wärmepumpe das oberflächennahe
Temperaturniveau von ca. 10 °C zum Heizen genutzt wird und
sich dabei entsprechend absenkt und im Sommer dann dieses Reservoir
zur direkten Kühlung benutzt wird. Beim Kühlen im Sommer
ergibt sich dabei eine Erwärmung des oberflächennahen
Reservoirs und damit dessen teilweise oder vollständige
Regeneration. Im Idealfall sind beide Energiemengen gleich. Der
Energieverbrauch des Systems besteht dann im Wesentlichen aus der
Antriebsleistung für die Wärme- bzw. Umwälzpumpe.
Verstärkt wird diese Funktion, wenn Geothermie mit anderen
Anlagen z. B. Solarthermie
kombiniert wird. Solarthermie stellt Wärme vorwiegend im Sommer
zur Verfügung, wenn sie weniger gebraucht wird. Durch
Kombination mit Geothermie lässt sich diese Energie im Sommer
in den unterirdischen Wärmespeicher
einspeisen und im Winter wieder abrufen. Die Verluste sind
standortabhängig, aber in der Regel gering.
Saisonale Speicher können sowohl oberflächennah, als
auch tief ausgeführt werden. Sogenannte Hochtemperatur-Speicher
(> 50 °C) sind allerdings nur in größerer
Tiefe denkbar. Beispielsweise verfügt das Reichstagsgebäude
über einen derartigen Speicher.
Nutzung
von Erdwärme
Die Geothermie ist global gesehen eine langfristig nutzbare
Energiequelle. Mit den Vorräten, die in den oberen drei
Kilometern der Erdkruste gespeichert sind, könnte im Prinzip,
rechnerisch und theoretisch der derzeitige weltweite Energiebedarf
für über 100.000 Jahre gedeckt werden. Allerdings ist nur
ein kleiner Teil dieser Energie technisch nutzbar und die
Auswirkungen auf die Erdkruste bei umfangreichem Wärmeabbau
sind noch unklar.
Bei der Nutzung der Geothermie unterscheidet man zwischen
Direkter Nutzung, also der Nutzung der Wärme selbst, und
Indirekter Nutzung, der Nutzung nach Umwandlung in Strom in
einem Geothermiekraftwerk. Mit Einschränkungen sind zur
Optimierung der Wirkungsgrade auch hier Kraft-Wärme-Kopplungen
(KWK) möglich. Vor allem in dünn besiedelten Gegenden bzw.
an weit von Siedlungen mit Wärmebedarf entfernten
Kraftwerksstandorten lassen sich nur schwer, KWK-Prozesse
realisieren. Nicht an jedem Kraftwerksstandort werden sich Abnehmer
für die Wärme finden lassen.
Direkte Nutzung
|
Nutzungsart
|
Temperatur in °C
|
|
|
Einkochen und Verdampfen, Meerwasserentsalzung
|
120
|
|
|
Trocknung von Zementplatten
|
110
|
|
|
Trocknung von organischem Material wie Heu, Gemüse, Wolle
|
100
|
|
|
Lufttrocknung von Stockfisch
|
90
|
|
|
Heizwassertemperatur zur Raumheizung (klassisch)
|
80
|
|
|
Kühlung
|
70
|
|
|
Tierzucht
|
60
|
|
|
Pilzzucht, Balneologie, Gebrauchtwarmwasser
|
50
|
|
|
Bodenheizung
|
40
|
|
|
Schwimmbäder, Eisfreihaltung, Biologische Zerlegung,
Gärung
|
30
|
|
|
Fischzucht
|
20
|
|
|
Natürliche Kühlung
|
<10
|
|
|
Lindal-Diagramm
|
Frühe balneologische Anwendungen finden sich in den Bädern
des Römischen Reiches, im Mittleren Königreich der
Chinesen und der Ottomanen. In Chaudes-Aigues im Zentrum Frankreichs
existiert das erste historische, geothermische Fernwärmenetz,
dessen Anfänge bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen.
Wärme wird heutzutage in vielfältiger Weise gebraucht
(Wärmemarkt). Eine klassische Darstellung der dabei benötigten
Temperaturen gibt das Lindal-Diagramm (Baldur Lindal, 1918-1997).
Heizen und Kühlen mit Erdwärme
Für die meisten Anwendungen werden nur relativ niedrige
Temperaturen benötigt. Aus tiefer Geothermie können
häufig die benötigten Temperaturen direkt zur Verfügung
gestellt werden. Reicht dies nicht, so kann die Temperatur durch
Wärmepumpen
angehoben werden, so wie dies meist bei der oberflächennahen
Geothermie geschieht.
In Verbindung mit Wärmepumpen wird Erdwärme in der
Regel zum Heizen und Kühlen von Gebäuden sowie zur
Warmwasserbereitung eingesetzt (siehe Wärmepumpenheizung).
Eine weitere Nutzungsmöglichkeit ist die natürliche
Kühlung, bei der Wasser mit der Temperatur des flachen
Untergrundes, also der Jahresmitteltemperatur des Standortes, direkt
zur Gebäudekühlung verwendet wird (ohne den Einsatz einer
Wärmepumpe). Diese natürliche Kühlung hat das
Potential, weltweit Millionen von elektrisch betriebenen
Klimageräten zu ersetzen. Sie wird jedoch derzeit nur wenig
angewendet.
Ebenfalls eine direkte Anwendung ist das Eisfreihalten von
Brücken, Straßen oder Flughäfen. Auch hier wird
keine Wärmepumpe benötigt, denn der Speicher wird durch
Abführung und Einspeicherung der Wärme mit einer
Umwälzpumpe von der heißen Fahrbahn im Sommer
regeneriert. Dazu zählt auch das frostfreie Verlegen von
Wasserleitungen. Die im Boden enthaltene Wärme lässt den
Boden in Mitteleuropa im Winter nur bis in eine geringe Tiefe
einfrieren.
Für die Wärmenutzung aus tiefer Geothermie
eignen sich niedrigthermale Tiefengewässer mit Temperaturen
zwischen 40 und 150 °C, wie sie vor allem im süddeutschen
Molassebecken, im Oberrheingraben und in Teilen der norddeutschen
Tiefebene vorkommen. Das Thermalwasser wird gewöhnlich aus 1000
bis 4500 Metern Tiefe über eine Förderbohrung an die
Oberfläche gebracht, gibt den wesentlichen Teil seiner
Wärmeenergie per Wärmeübertrager an einen zweiten,
den „sekundären“ Heiznetzkreislauf ab. Ausgekühlt
wird es anschließend über eine zweite Bohrung wieder mit
einer Pumpe in den Untergrund verpresst, und zwar in die Schicht,
aus der es entnommen wurde.
|
Nutzungsart
|
Energie TJ/a
|
Leistungsabgabe Kapazität MW
|
|
Wärmepumpen
|
214.236
|
35.236
|
|
Schwimmbäder
|
109.032
|
6.689
|
|
Raumheizung/Fernwärme
|
62.984
|
5.391
|
|
Gewächshäuser
|
23.264
|
1.544
|
|
Industrie
|
11.746
|
533
|
|
Aquakulturen
|
11.521
|
653
|
|
Trocknung (Landwirtschaft)
|
1.662
|
127
|
|
Kühlen, Schneeschmelzen
|
2.126
|
368
|
|
Andere Nutzung
|
956
|
41
|
|
Total
|
438.071
|
50.583
|
|
direkte Nutzung der Erdwärme
weltweit (Stand: 2010, Quelle:
Literatur/Statistik, 7.)
|
Stromerzeugung
Zur Stromerzeugung wurde die Geothermie zum ersten Mal in
Larderello in der Toskana eingesetzt. 1913 wurde dort von Graf Piero
Ginori Conti ein Kraftwerk erbaut, in dem wasserdampfbetriebene
Turbinen 220 kW elektrische Leistung erzeugten. Heute werden dort
ca. 750 MW Strom in Italiens Energienetz eingespeist. Unter der
Toskana befindet sich Magma relativ dicht unter der Oberfläche.
Dieses heiße Magma erhöht hier die Temperatur des
Erdreiches soweit, dass eine wirtschaftliche Nutzung der Erdwärme
möglich ist.
Bei der hydrothermalen Stromerzeugung
sind Wassertemperaturen von mindestens 100 °C notwendig.
Hydrothermale Heiß- und Trockendampfvorkommen mit Temperaturen
über 150 °C können direkt zum Antrieb einer
Turbine genutzt werden. In Deutschland liegen allerdings die
üblichen Temperaturen geologischer Warmwasservorkommen
niedriger. Lange Zeit wurde Thermalwasser daher ausschließlich
zur Wärmeversorgung im Gebäudebereich genutzt. Neu
entwickelte Organic Rankine Cycle-Anlagen (ORC) ermöglichen
eine Nutzung von Temperaturen ab 80 °C zur Stromerzeugung.
Diese arbeiten mit einem organischen Medium (z. B. Pentan), das
bei relativ geringen Temperaturen verdampft.[9]Dieser Dampf treibt
über eine Turbine den Stromgenerator an. Eine Alternative zum
ORC-Verfahren ist das Kalina-Verfahren. Hier werden
Zweistoffgemische, so zum Beispiel aus Ammoniak und Wasser als
Arbeitsmittel verwendet. Für Anlagen in einem kleineren
Leistungsbereich (< 200 kW) sind auch motorische Antriebe wie
Stirlingmotoren denkbar. Geothermie ist grundlastfähig.
Dabei muss beachtet werden, dass andere Wärmeträgermedien
für die Kreisprozesse als Wasser wie z. B.
sind und daher aufwändige Vorkehrungen ergriffen werden
müssen, um die Sicherheit solcher Anlagen im Betrieb und bei
der Wartung zu gewährleisten.
Stromerzeugung aus Geothermie über Hochenthalpielagerstätten
Die Stromerzeugung aus Geothermie ist traditionell in Ländern,
die über Hochenthalpielagerstätten verfügen, in denen
Temperaturen von mehreren hundert Grad in vergleichsweise geringen
Tiefen (< 2000 m) angetroffen werden. Die Lagerstätten
können dabei, je nach Druck und Temperatur, wasser- oder
dampf-dominiert sein. Bei modernen Förderungstechniken werden
die ausgekühlten Fluide reinjiziert, so dass praktisch keine
negativen Umweltauswirkungen, wie Schwefelgeruch, mehr auftreten.
Stromerzeugung aus Geothermie über Niederenthalpielagerstätten
In Niederenthalpielagerstätten, wie sie ungünstigerweise
in Deutschland meist angetroffen werden, ist wegen der geringen
Temperaturspreizung zwischen Vor- und Rücklauf der maximal
mögliche Wirkungsgrad systembedingt niedriger als in
Hochenthalpielagerstätten.
Durch andere Kreisprozesse (z. B. Kalinaprozess mit
Ammoniak) versucht man den Abstand zwischen Vor- und
Rücklauftemperatur zu erhöhen. Dabei ist aber zu beachten,
dass die Sicherheitsanforderungen für den Umgang mit Ammoniak
wesentlich anspruchsvoller sind, als für den Umgang mit Wasser
oder auch organischen Arbeitsmitteln.
Der Eigenstromverbrauch in solchen
Anlagen kann bis zu 25 Prozent der erzeugten Strommenge[10]
betragen.
Geothermie
weltweit
Geothermie ist eine bedeutende erneuerbare Energie. Einen
besonderen Beitrag zu ihrer Nutzung leisten hierbei die Länder,
die über Hochenthalpielagerstätten verfügen. Dort
kann der Anteil der Geothermie an der Gesamtenergieversorgung des
Landes erheblich sein, zum Beispiel Geothermale Energie in Island.
Direkte
Nutzung international
|
Land
|
Energie- umsatz pro Jahr TJ/a
|
Leistungsabgabe Jahresmittelwert GW
|
|
China
|
45.373
|
1,44
|
|
Schweden
|
36.000
|
1,14
|
|
USA
|
31.239
|
0,99
|
|
Island
|
23.813
|
0,76
|
|
Türkei
|
19.623
|
0,62
|
|
Ungarn
|
7.940
|
0,25
|
|
Italien
|
7.554
|
0,24
|
|
Neuseeland
|
7.086
|
0,22
|
|
Brasilien
|
6.622
|
0,21
|
|
Georgien
|
6.307
|
0,20
|
|
Russland
|
6.243
|
0,20
|
|
Frankreich
|
5.196
|
0,16
|
|
Japan
|
5.161
|
0,16
|
|
Summe
|
208.157
|
6,60
|
|
(Quelle: Literatur/Statistik, 3.)
|
Im Jahr 2005 waren zur direkten Nutzung von Geothermie weltweit
Anlagen mit einer Leistung von 27.842 Megawatt (fast 28 Gigawatt)
installiert. Diese haben Energie in der Größenordnung von
261.418 Terajoule pro Jahr (72.616 Gigawattstunden pro Jahr), das
entspricht einer mittleren Leistungsabgabe im Jahr von 8,29 GW oder
bei einer Weltbevölkerung 2005 von 6,465 Mrd. Menschen 1,28
Watt/Mensch – durchschnittlicher Primärenergieverbrauch
2.100 Watt/Mensch – oder 0,061 % des
Primärenergieverbrauchs der Welt. Der Ausnutzungsgrad der
installierten Leistung beträgt also etwa 30 % (diese
Kennzahl ist wichtig für die überschlägige
Kalkulation der Wirtschaftlichkeit von geplanten Anlagen, sie wird
allerdings weitgehend durch die Verbraucherstruktur und weniger
durch die Erzeuger, also die Wärmequelle bestimmt).
Länder mit Energieumsätzen größer als 5.000
TJ/Jahr zeigt die Tabelle.
Besonders hervorzuheben sind Schweden und Island. Schweden ist
geologisch eher benachteiligt, hat aber durch eine konsequente
Politik und Öffentlichkeitsarbeit diesen hohen Anteil bei der
Nutzung erneuerbarer Energien vorwiegend zum Heizen
(Wärmepumpenheizung) erreicht.
Auch in Island hat die Nutzung dieser Energie einen
beträchtlichen Anteil an der Energieversorgung des Landes (ca.
53 %), vgl. Geothermale Energie in Island. Es ist inzwischen
weltweit Vorreiter auf diesem Gebiet.
Im Nahen Osten wird in den Vereinigten
Arabischen Emiraten das erste Geothermie-Projekt realisiert. Es soll
zur Versorgung der Ökostadt Masdar mit Energie zur Kühlzwecken
dienen. Zunächst wurden zwei Probebohrungen in Tiefen von 2800
und 4500 m gestartet.[11]
Stromerzeugung
international
Stromerzeugung aus Geothermie konzentriert sich traditionell auf
Länder, die über oberflächennahe
Hochenthalpie-Lagerstätten verfügen (meist Vulkan- oder
Hot-Spot-Gebiete). In Ländern, die dies – wie zum
Beispiel Deutschland – nicht haben, muss der Strom mit einem
vergleichsweise niedrigen Temperaturniveau
(Niederenthalpielagerstätte mit etwa 100–150 °C)
erzeugt werden, oder es ist entsprechend tiefer zu bohren.
Weltweit ist geradezu ein Boom bei der Nutzung von Geothermie zur
Stromerzeugung eingetreten. Die zum Ende des ersten Quartals 2010
installierte Leistung betrug 10.715 MW. Damit wird in den
weltweit 526 geothermischen Kraftwerken 56 67.246 GWh/a
grundlastfähige, elektrische Energie bereitgestellt.
In den letzten fünf Jahren wurde die Stromerzeugung
stark ausgebaut. Auf einige Länder bezogen ergeben sich die in
der linken Tabelle angegebenen Zuwächse für den Zeitraum
2005–2010.
|
Land (Auswahl)
|
In 2005–2010 neu installierte elektrischeLeistung MWe
|
|
|
USA
|
529
|
|
|
Indonesien
|
400
|
|
|
Island
|
373
|
|
|
Neuseeland
|
193
|
|
|
Türkei
|
62
|
|
|
El Salvador
|
53
|
|
|
Italien
|
52
|
|
|
Kenia
|
38
|
|
|
Guatemala
|
19
|
|
|
Deutschland
|
6
|
|
|
(Quelle:)[12]
|
Rechte Tabelle – Länder mit einem bedeutsamen
Anteil der Geothermie an der Gesamtversorgung (Stand 2005):
|
Land
|
Anteil an der Stromerzeugung in %
|
Anteil am Wärmemarkt in %
|
|
Tibet
|
30
|
30
|
|
San Miguel Island
|
25
|
keine Angabe
|
|
El Salvador
|
14
|
24
|
|
Island
|
19,1
|
90
|
|
Philippinen
|
12,7
|
19,1
|
|
Nicaragua
|
11,2
|
9,8
|
|
Kenia
|
11,2
|
19,2
|
|
Lihir Island
|
10,9
|
keine Angabe
|
|
Guadeloupe
|
9
|
9
|
|
Costa Rica
|
8,4
|
15
|
|
Neuseeland
|
5,5
|
7,1
|
|
(Quelle:)[13]
|
Niederenthalpie-Lagerstätten werden bisher weltweit
wenig genutzt. Zukünftig könnten sie an Bedeutung
gewinnen, da diese Nutzung weiter verbreitet möglich ist und
nicht spezielle geothermische Bedingungen mit überdurchschnittlich
hohen geothermischen Gradienten voraussetzt. Im November 2003 wurde
das erste derartige Kraftwerk Deutschlands, das Geothermiekraftwerk
Neustadt-Glewe, mit 0,23 Megawatt Leistung in Betrieb genommen.
Im Jahr 2007 folgte mit der 3-Megawatt Anlage des
Geothermiekraftwerkes Landau die erste industrielle Installation.
In Australien wird in Cooperbecken das erste rein wirtschaftliche
Geothermiekraftwerk auf der Basis HFR (Hot Fractured Rock) erstellt.
Bisher sind zwei Bohrungen auf über 4.000 m Tiefe gebohrt
und ein künstliches Risssystem erzeugt. Die Temperaturen sind
mit 270 Grad höher als erwartet und auch die künstlich
erzeugte Wasserwegsamkeit zwischen den Bohrungen ist besser als
geplant.
Bezogen auf die pro-Kopf-Nutzung
der Erdwärme ist Island heute Spitzenreiter mit 575 MW
(2010) installierter Gesamtleistung (Geothermale Energie in Island).
Die USA führen dagegen bei den Absolutwerten mit einer
installierten Gesamtleistung von 3.093 MW (2010) vor den
Philippinen mit 1.904 MW (2010) und Indonesien mit 1.197 MW
(2010). (Quelle:)[14]
(Rechtliche) Situation in Deutschland
Geothermische
Energie ist nach dem deutschen Bergrecht (Bundesberggesetz,
BBergG, § 3 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2b) ein bergfreier
Rohstoff (bergfreier Bodenschatz), er gehört also dem
Staat und das Recht für Aufsuchung und Nutzung wird an
die jeweiligen Antragsteller verliehen (wenn sie nicht städtebaulich
genutzt wird, weil dann der Gewinnungsbegriff im § 4
Abs. 2 Bundesberggesetz nicht einschlägig ist). Dies bedeutet,
dass das Eigentum an einem Grundstück sich nicht auf die
Erdwärme erstreckt. Für die Aufsuchung der Erdwärme
bedarf es also einer Erlaubnis nach § 7 BBergG und für die
Gewinnung einer Bewilligung nach § 8 BBergG. Die meisten
Anlagen oberflächennaher Geothermie können jedoch
bislang nach dem § 4 BBergG ohne ein solches Verfahren erstellt
werden, wenn die Nutzung auf dem eigenen Grundstück
erfolgt, bei der genauen Abgrenzung herrscht die übliche
föderale Vielfalt. Auf jeden Fall sind Anlagen, die in das
Grundwasser reichen, nach dem Wasserrecht erlaubnispflichtig. Für
Bohrungen, die länger als 100 Meter sind, ist außerdem
ein bergrechtlicher Betriebsplan nötig.[15] Die Stadt Freiburg
im Breisgau hat allerdings unter Anderem in Folge der in Staufen
nach einer Probebohrung aufgetretenen Geländehebungen sowie der
in Basel durch eine solche ausgelösten Erdbeben ihre Auflagen
für oberflächennahe Geothermie-Projekte auch für
Bohrungen unter 100 m verschärft.[16]
Die
geothermische Stromerzeugung steckt in
Deutschland noch in den Anfängen. Unter anderem beschäftigt
sich jedoch das Deutsche GeoForschungsZentrum in Potsdam intensiv
mit diesem Thema.[17] Der Niedersächsische Forschungsverbund
„Geothermie und Hochleistungsbohrtechnik – gebo“[18]
verfolgt die Zielsetzung, neue Konzepte zur geothermischen
Energiegewinnung in tiefen geologischen Schichten mit hoher
Effizienz und Effektivität sowie geringerem geologischen und
technischen Risiko zu entwickeln, um die bislang noch fehlende
Wirtschaftlichkeit dieser regenerativen Energiequelle herzustellen.
Vier Kraftwerke (in Neustadt-Glewe, Unterhaching bei München,
Bruchsal und Landau) erzeugen Strom aus Geothermie.
Zahlreiche weitere Projekte sind im Bau, so dass in den nächsten
Jahren mit einem Anstieg beim Anteil der geothermisch erzeugten
Strommenge zu rechnen ist.
Recht weit verbreitet ist hingegen die
direkte energetische Nutzung von hydrothermaler Geothermie
beim Betrieb von Fern- und Nahwärmenetzen. Eine Übersicht
über die in Deutschland vorhandenen Anlagen hydrogeothermaler
Nutzung ist in dem Verzeichnis Geothermischer Standorte[19] zu
finden. Aus den derzeit bekannten Ressourcen hydrothermaler
Geothermie könnte bis zu 29 Prozent der in der Bundesrepublik
benötigten Wärme bereitgestellt werden.
In Deutschland ist die direkte Nutzung
oberflächennaher Geothermie (Wärmepumpenheizung) schon
weit verbreitet und hat hohe Zuwachsraten. 2006 wurden 28.000 neue
Anlagen installiert, ein Zuwachs von mehr als 115 % gegenüber
2005. Insgesamt dürften 2007 etwa 130.000 Anlagen installiert
sein. Erstmals flächig erforscht werden soll der Einsatz von
oberflächennaher Geothermie im Erdwärmepark in
Neuweiler im Nordschwarzwald; einem Baugebiet, in dem ausschließlich
Erdwärme zu Zwecken der Gebäudeheizung und –kühlung
verwendet wird. Hier soll im Rahmen eines Modellprojekts auch das
Heizen bzw. Kühlen der vorhandenen Straßen erstmals
umgesetzt werden. Oberflächennahe Geothermie wird auch in
Bayern u. a. in der Umgebung von Ansbach untersucht,[20] wo es
auch einen Ausbildungsschwerpunkt an der dortigen Fachhochschule
gibt.
Für Deutschland ergibt sich laut der Zahlen des BMU für
das Jahr 2004 das folgende Bild:
Der Energieerzeugung im Jahr 2004 aus der Geothermie von 5.609
TJ/a (entsprechend einer mittleren Leistungsabgabe von 0,178 GW im
Jahr 2004) steht ein Primärenergieverbrauch in Deutschland im
selben Jahr von 14.438.000 TJ/a (entsprechend einer mittleren
Leistung von 458 GW) gegenüber. Es wurden also im Jahr 2004
0,04 % des Primärenergieverbrauchs in Deutschland durch
Geothermie gedeckt.
Die Geothermie-Branche rechnet in Deutschland mit einem
jährlichen Wachstum von 14 Prozent. Im laufenden Jahr (Stand:
März 2005) werden sich der Umsatz auf etwa 170 Millionen Euro
und die Investitionen auf 110 Millionen Euro belaufen. Etwa 10.000
Menschen arbeiten bereits direkt oder indirekt für die
geothermische Energieversorgung (Quelle, siehe Literatur/Statistik,
2.).
Direkte Nutzung
Im Bereich der tiefen Geothermie gibt es in Deutschland zurzeit
30 Installationen mit Leistungen über 2 MW. Diese leisten
zusammen 105 MW (Quelle, siehe Literatur/Statistik, 4.). Die
meisten dieser Einrichtungen stehen im
Norddeutschen Becken, in der
Süddeutschen Molasse oder in
der
Oberrheinischen Tiefebene/Oberrheingraben.
Der norddeutsche Raum verfügt geologisch bedingt über
ein großes Potential geothermisch nutzbarer Energie in
thermalwasserführenden Porenspeichern des Mesozoikums in einer
Tiefe von 1000 bis 2500 m mit Temperaturen zwischen 50 °C
und 100 °C. Die Geothermische Heizzentrale (GHZ) in
Neubrandenburg war bereits in der DDR eines der Pilotprojekte zur
Nutzung der Geothermie.
Das Molassebecken in Süddeutschland (Alpenvorland) bietet
günstige Voraussetzungen für eine geothermische Nutzung.
Zahlreiche balneologische Erschließungen in Baden-Württemberg
(Oberschwaben) und Bayern (Bäderdreieck) bestehen bereits seit
einigen Jahrzehnten. Darüber hinaus existieren in Südbayern
derzeit neun groß-energetische Nutzungen (geothermisch
betriebene Fernwärmenetze in Simbach-Braunau, Straubing,
Erding, Unterschleißheim, Pullach, München-Riem,
Unterhaching, Unterföhring, Aschheim) und zahlreiche weitere
sind in Planung oder im Bau. Das Thermalwasser stammt aus einer
Kalksteinschicht (vor allem Kluft- Karstgrundwasser) des Oberjura
(Malm) an der Basis des nordalpinen Molassetrogs. Diese Gesteine
treten entlang der Donau an der Erdoberfläche in Erscheinung
und tauchen in Richtung Süden am Alpenrand auf bis über
5000 m unter die Erdoberfläche ab. Dort sind auch
Temperaturen höher als 140 °C zu erwarten.
Der Oberrheingraben bietet deutschlandweit besonders gute
geologisch-geothermische Voraussetzungen (u. a. hohe
Temperatur, Wärmefluss, Struktur im Untergrund). Allerdings
sind die Thermalwässer im Oberrheingraben reich an gelösten
Inhaltsstoffen, was hohe Anforderungen an die Anlagentechnik stellt.
An verschiedenen Standorten sind Projekte in Planung und im Bau. Für
viele Regionen sind bereits Konzessionen erteilt worden.
Untersucht wird zudem beispielsweise, ob in das Fernwärmenetz
der Ruhr-Universität und der Hochschule Bochum Erdwärme
eingespeist werden kann. Auch Gebäude der RWTH Aachen sollen
mittels Geothermie beheizt werden (Tiefe Erdwärmesonde).
In Bad Urach (Schwäbische Alb)
konnte ein langjährig betriebenes und weit fortgeschrittenes
Projekt aus finanziellen Gründen nicht vollendet werden.[21]
Baden-Württemberg hat genau wie Nordrhein Westfalen ein
Förderprogramm für Erdwärmesonden-Anlagen für
kleine Wohngebäude aufgelegt, mit einer Förderung der
Bohrmeter, siehe Weblinks.
Zusätzlich gibt es in Deutschland mehr als 50.000
oberflächennahe Geothermieanlagen, bei denen Wärmepumpen
zum Anheben der Temperatur eingesetzt werden. Diese haben zusammen
eine Leistung von mehr als 500 MW. Im Vergleich zu Schweden,
Schweiz oder Österreich ein eher geringer Marktanteil. Im Jahr
2000 betrug er in Deutschland 2 bis 3 %, in Schweden 95 %,
und in der Schweiz 36 % (Siehe auch Wärmepumpenheizung)
Stromerzeugung
Das erste geothermische Kraftwerk in Deutschland ist 2004 in
Mecklenburg-Vorpommern als Erweiterung des bereits 1994 errichteten
geothermischen Heizwerks in Betrieb genommen worden. Die elektrische
Leistung des Geothermiekraftwerks
Neustadt-Glewe beträgt bis zu 230 kW. Aus einer Tiefe von 2250
Metern wird etwa 97 °C heißes Wasser gefördert
und zur Strom- und Wärmeversorgung genutzt. Im Jahr 2004 betrug
die erzeugte Strommenge 424 000 Kilowattstunden (Quelle:
AGEE-Stat/BMU), angestrebt sind jährlich ca. 1,2 Mio.
Kilowattstunden (entspricht einer mittleren Leistung von 48kW bzw.
137kW). Die Inbetriebnahme stellt einen Meilenstein in der
Entwicklung der geothermischen Stromerzeugung in Deutschland dar,
dem weitere Projekte folgen werden. Der Bau von
Geothermiekraftwerken erlebt in Deutschland zurzeit geradezu einen
Boom. Viele Kraftwerke sind im Bau oder in der Planung. Die meisten
davon am Oberrhein und in der oberbayrischen Molasse. Die Bergämter
haben dort zahlreiche Aufsuchungsgenehmigungen vergeben (bis 2007
über 100).
Die für die Stromerzeugung erforderlichen Wärmereservoirs
mit hohen Temperaturen sind in Deutschland nur in großer Tiefe
vorhanden. Die für den Betrieb erforderlichen Temperaturen zu
erschließen, ist mit einem hohen finanziellen Aufwand
verbunden. Geologische und bohrtechnische Erschließungsrisiken
müssen dabei im Verhältnis zum finanziellen Aufwand
abgewogen werden. Forschungsarbeiten zur Nutzung tief liegender bzw.
weitgehend wasserundurchlässiger Gesteine laufen und
versprechen die Möglichkeiten zur Stromerzeugung weiter zu
erhöhen. Eine Studie des Deutschen Bundestages gibt das
Potential der Stromproduktion mit 1021 Joule an.
|
Geplante und realisierte Geothermieanlagen
(Stromerzeugung) in Mitteleuropa
|
|
Geoth. Leistung in MW
|
Elektr. Leistung in MW
|
Temperatur in °C
|
Förderrate in m³/h
|
Bohrtiefe in m
|
Geplante Inbetriebnahme Jahr
|
|
Deutschland
|
|
Groß Schönebeck
|
10
|
1,0
|
150
|
< 50
|
4.294
|
2008
|
|
Neustadt-Glewe
|
10
|
0,21
|
98
|
119
|
2.250
|
Im Kraftwerksbetrieb seit 2003
|
|
Bad Urach
|
6–10
|
ca. 1,0
|
170
|
48
|
4.500
|
stillgelegt
|
|
Bruchsal
|
4,0
|
ca. 0,5
|
118
|
86
|
2.500
|
Im Kraftwerksbetrieb seit 2009
|
|
Karlsruhe
|
28,0
|
|
> 150
|
270
|
3.100
|
unbekannt
|
|
Landau
|
22
|
3
|
159
|
70
|
3.000
|
Im Probebetrieb seit 2007. Zeitweise eingestellt wegen Beben.
Wiederaufnahme mit reduziertem Pumpendruck.[1].
|
|
Insheim
|
|
4,0–5,0[22]
|
>155
|
|
3.600
|
voraussichtlich 2010
|
|
Schaidt
|
|
|
>155
|
|
>3.500
|
Bohrbeginn voraussichtlich 2010
|
|
Offenbach an der Queich
|
30–45
|
4,8–6,0
|
160
|
360
|
3.500
|
gestoppt wg. Bohrlochinstabilität
|
|
Riedstadt
|
21,5
|
ca. 3,0
|
|
250
|
3.100
|
unbekannt
|
|
Speyer[23]
|
24–50
|
4,8–6,0
|
150
|
450
|
2.900
|
2005 aufgegeben,[24] weil Erdöl
statt Wasser gefunden wurde (drei Bohrungen im Probebetrieb)
|
|
Unterhaching
|
> 30
|
3,4
|
122
|
> 540
|
3.577
|
seit 2008 im Betrieb
|
|
Sauerlach
|
ca. 80
|
ca. 5[25]
|
140
|
> 600
|
> 5.000
|
Ende 2011 (Bohrarbeiten erfolgreich beendet)
|
|
Dürrnhaar
|
ca. 50
|
ca. 5,0
|
135
|
> 400
|
> 4.000
|
2011 (Bohrarbeiten erfolgreich beendet)
|
|
Mauerstetten
|
40
|
4,0–5,0
|
120–130
|
ca. 300
|
4.100
|
unbekannt (Probleme durch zu geringe
Schüttung)[26]
|
|
Kirchstockach
|
50
|
5
|
130
|
450
|
> 4.000
|
2011 (Bohrarbeiten erfolgreich beendet)
|
|
Laufzorn
|
50
|
5
|
130
|
470
|
> 4.000
|
2011 (Bohrarbeiten erfolgreich beendet)
|
|
Kirchweidach
|
|
|
120
|
470
|
> 3.000
|
2012 (Bohrbeginn 2010)
|
|
Bernried
|
|
|
150
|
|
> 4.500
|
2013 (Bohrbeginn 2011)
|
|
Taufkirchen
|
|
|
120
|
470
|
> 3.000
|
2012 (Bohrbeginn 2011)
|
|
Österreich
|
|
Altheim (Oberösterreich)
|
18,8
|
0,5
|
105
|
ca. 300–360
|
2.146
|
Im Kraftwerksbetrieb seit 2000
|
|
Bad Blumau
|
7,6
|
0,18
|
107
|
ca. 80–100
|
2.843
|
Im Kraftwerksbetrieb seit 2001
|
|
Frankreich
|
|
Soultz-sous-Forêts[27]
|
12,0
|
2,1
|
180
|
126
|
5.000
|
Testbetrieb seit 2008
|
|
Schweiz
|
|
Basel
|
17,0
|
6,0
|
200
|
|
5.000
|
Projekt eingestellt wegen Beben[28]
|
|
St. Gallen
|
ca. 30
|
3-5
|
150-170
|
|
ca. 4.000
|
Projekt in Planung, voraussichtlich
2012[29]
|
|
Quelle:[30]
|
Staatliche Fördermaßnahmen
Einspeisevergütung
Durch die Novellierung des EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) zum
1. Januar 2009 wird die geothermische Stromerzeugung mit bis zu 0,23
EUR pro eingespeister Kilowattstunde deutlich höher gefördert
als zuvor. Die Förderung setzt sich zusammen aus:
Grundvergütung 16 Cent pro
eingespeister Kilowattstunde.
Bonus von 4 Cent für Anlagen
die bis 2015 ans Netz gehen.
Bonus von 3 Cent bei Auskopplung von mindestens 20%
Fernwärme.
Als zusätzliche Vergünstigung darf die
Einspeisevergütung für die gesamte Brutto-Stromproduktion
der Anlage in Anspruch genommen werden. Dies entspricht einer
EEG-einheitlichen Regelung und gilt für alle Formen
erneuerbarer Stromerzeugung. Der Eigenenergiebedarf beträgt bei
deutschen Geothermiekraftwerken ca. 30% der Bruttostromproduktion
(größter Verbraucher sind die Förderpumpen). Dieser
Eigenenergiebedarf darf aus günstigeren Netztarifen zugekauft
werden und muss auch nicht aus regenerativen Quellen stammen.
Marktanreizprogramm
des BMU
Anlagen der tiefen Geothermie werden aus dem MAP
(Marktanreizprogramm des Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit) durch zinsverbilligte Darlehen
mit Tilgungszuschüssen gefördert. Förderfähig
sind:
Die Errichtung der
Tiefengeothermieanlage („Anlagenförderung“)
Die Realisierung der Förder-
und Injektionsbohrung („Bohrkostenförderung“)
sowie unvorhergesehene Mehrkosten gegenüber der Bohrplanung
(„Mehraufwendungen“)
Die Reduzierung des
Fündigkeitsrisikos durch Haftungsfreistellungen für bis
zu 80% der Bohrkosten („Kreditprogramm Fündigkeitsrisiko“)
Die Errichtung von Wärmenetzen („Wärmenetze“)
Die KfW kann daraus Darlehen pro Projekt in einer Höhe von
bis zu 80% der Bohrkosten vergeben. Diese Darlehen werden im Fall
der Nichtfündigkeit haftungsfrei gestellt, d. h. sie
müssen vom Kreditnehmer ab diesem Zeitpunkt nicht weiter
zurückgezahlt werden. Das „KfW Sonderprogramm“ für
allgemeine Projektfinanzierungen, wie u. a. Geothermieprojekte,
refinanziert Banken mittels KfW-Krediten bis zu einem Kreditbetrag
von i.d.R. 200 Mio. Euro pro Projekt.
Aufgrund der mit der Bohrung verbundenen hohen Investitionskosten
und Risiken besteht bei Geothermieprojekten ein hohes
Anfangshemmnis. Dies erschwert und verteuert die Finanzierung.
Ökonomische
Aspekte
Die geringe Nutzung der überall vorhandenen und vom
Energieangebot her kostenlosen Geothermie liegt darin begründet,
dass sowohl der Wärmestrom mit ≈ 0,06 Watt/m²
als auch die Temperaturzunahme mit der Tiefe mit ≈ 3 K/100 m
in den zugänglichen Teilen der Erdkruste, von besonderen
Standorten abgesehen, so gering sind, dass eine Nutzung zu Zeiten
niedriger Energiepreise nicht wirtschaftlich war. Durch das
Bewusstwerden des CO2-Problems und der absehbaren
Verknappung der fossilen Energieträger setzte eine stärkere
geologische Erkundung und technische Weiterentwicklung der
Geothermie ein.
Da die eigentliche Energie, die Geothermie, kostenlos ist, wird
die Wirtschaftlichkeit einer Geothermienutzung vor allem durch die
Investitionskosten (Zinsen) und Unterhaltskosten der Anlagen
bestimmt.
Unter den gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen
(Erneuerbare-Energien-Gesetz) ist eine Wirtschaftlichkeit bei
größeren Geothermieanlagen auch in Deutschland in vielen
Gebieten, wie zum Beispiel in Oberbayern, Oberrheingraben und
Norddeutsches Becken, erreichbar.
Grundsätzlich sind größere Geothermieanlagen
(über 0,5 MW und mit einer Tiefe von mehr als 500 m)
immer mit gewissen Fündigkeitsrisiken behaftet, da die tieferen
Erdschichten eben nur punktuell und oft in geringem Ausmaß
erkundet sind. Dabei lassen sich die anzutreffenden Temperaturen
meist recht gut prognostizieren. Die bei hydrothermalen Anlagen aber
besonders relevanten Schüttmengen sind jedoch häufig nicht
gut vorhersehbar. Neuerdings werden allerdings Risikoversicherungen
dazu angeboten. Zur Minimierung des Fündigkeitsrisikos wurde
das Geothermische Informationssystem (gefördert vom BMU)
erstellt.
Die oberflächennahe Erdwärmenutzung für die
Heizung von Gebäuden mittels einer Wärmepumpe ist bereits
in vielen Fällen konkurrenzfähig. Wärmepumpenheizungen
bestehen in der Regel aus einer oder mehreren Erdwärmesonde(n)
und einer Wärmepumpe bzw. mehreren parallel geschaltet. 2004
wurden in Deutschland etwa 9.500 neue Anlagen errichtet, 2006 waren
es schon 28.000, der Bestand übersteigt 130.000. In der Schweiz
waren es 2004 rund 4.000 neue Anlagen mit Erdwärmenutzung. Der
Marktanteil in Deutschland ist im Gegensatz zu Ländern wie
Schweden, der Schweiz oder Österreich jedoch noch gering.
Bei den Betriebskosten spielt die Beständigkeit der Anlagen
gegen Verschleiß (z. B. bewegte Teile einer Wärmepumpe
oder eines Stirlingmotors) eine Rolle. Bei offenen Systemen kann
Korrosion durch aggressive Bestandteile im wärmetransportierenden
Wasser entstehen (alle Teile in der Erde und die Wärmeübertrager).
Diese früher bedeutenden Probleme sind heute jedoch technisch
weitestgehend gelöst.
Ökologische
Aspekte
Energiepotential
Die
Geothermie wird zu den regenerativen Energiequellen gezählt, da
ihr Potenzial als sehr groß und nach menschlichem Ermessen
unerschöpflich gilt. Der kumulierte Energieaufwand (KEA, auch:
graue Energie) von Geothermie liegt in dem Bereich von 0,12 kWhPE
/ kWhth.[31] Theoretisch würde allein
die in den oberen drei Kilometern der Erdkruste gespeicherte Energie
ausreichen, um die Welt für etwa 100.000 Jahre mit Energie zu
versorgen. Allerdings ist nur ein sehr kleiner Teil dieser Energie
technisch nutzbar. Im Arbeitsbericht 84 des Büros für
Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag[32] wurde
2003 ein jährliches technisches Angebotspotenzial aus
geothermischer „Stromerzeugung von ca. 300 TWh/a für
Deutschland ermittelt, was etwa der Hälfte der gegenwärtigen
Bruttostromerzeugung entspricht“. Die Berechnungen in der
Studie ermitteln einen nachhaltigen Nutzungszeitraum von eintausend
Jahren für diese Form von 50 Prozent geothermischer
Gesamtstromerzeugung. Entscheidenden Einfluss bei der Realisierung
einer nachhaltigen Nutzung hat das Wärmeträgerfluid
(Wasser oder Dampf). Wird die Wärme über das Fluid im
großen Maßstab dem Untergrund entzogen, so wird, in
Abhängigkeit von den geologischen Rahmenbedingungen, regional
mehr Wärme entzogen, als durch den natürlichen Wärmestrom
zunächst „nachfließen“ kann. So gesehen wird
die Wärme zunächst „abgebaut“. Nach Beendigung
der Nutzung werden sich jedoch die natürlichen
Temperaturverhältnisse nach einer gewissen Zeit wieder
einstellen. Das Entnahmeszenario der Studie berücksichtigt die
Wärmeströme in der Potenzialberechnung. Geothermie ist wie
Biomasse oder Wasserkraft bei der Stromerzeugung und nicht
wärmegesteuerten Kraftwerken grundlastfähig.
Regeneration des Wärmereservoirs
Da bei Geothermiekraftwerken in Regionen mit geringem oder
durchschnittlichem Wärmestrom mehr Wärmeenergie aus der
Erdkruste entnommen, als natürlich nachströmen kann, wird
die in der Erdkruste gespeicherte Energie abgebaut. Die
Nutzungsdauer eines Kraftwerks bzw. Standortes ist also je nach Rate
der entnommenen Energie begrenzt. Allerdings regeneriert sich das
Wärmereservoir durch den natürlichen Wärmestrom nach
einiger Zeit. Die Regeneration eines Wärmereservoirs im Bereich
der Kaltwasserinjektion richtet sich sehr stark nach den
geologischen Rahmenbedingungen. Wichtig ist dabei, ob die Wärme
ausschließlich über Wärmeleitung von unten
nachgeführt wird oder zusätzlich Wärme über den
Transport von warmen Wasser konvektiv nachgeführt wird.
Regeneration in klüftigen System mit dem Wärmetransport
durch Konvektion
Wärmetransport durch Konvektion ist immer effektiver, da das
Problem der Begrenzung des Wärmetransports durch den Widerstand
des Gebirgskörpers gegen die Wärmeleitung umgangen wird.
Deswegen sollte ein Investor für Geothermieprojekte nach
Möglichkeit geologische Regionen suchen, in denen durch Klüfte
warmes oder heißes Tiefenwasser nachströmt (offene
Kluftsysteme):
sind daher für Geothermieprojekte bevorzugte Regionen in
Deutschland.
In einer Modellrechnung über den
Wärmetransport wurde in diesem Zusammenhang exemplarisch für
einen Standort im bayerischen Molassebecken das Folgende
festgestellt: Für ein hydrothermales System im Malmkarst mit
50l/s Reinjektionsrate und 55 °C Reinjektionstemperatur
wurde die folgende Zeitdauer für die Wärmeregeneration
unmittelbar um die Injektionsbohrung nach Abschluss des
Dublettenbetriebs bei rein konduktivem Wärmetransport
berechnet: Nach 2.000 Jahren wird eine Temperatur von 97 °C
und etwa 8.000 Jahre nach Betriebsende die Ausgangstemperatur von
99,3 °C wieder erreicht: „Die Modellierung der
Wärmeregeneration nach Abschluss eines 50 Jahre währenden
Betriebszeitraumes unter den gegebenen Randbedingungen verdeutlicht,
dass frühestens nach 2000 Jahren mit einer weitgehenden
thermischen Regeneration des Reservoirs im Malm zu rechnen ist“.
Die Modellrechnung verdeutlicht aber auch das hohe Potenzial des
Reservoirs: „Im vorliegenden Szenario kann zusammengefasst
gesagt werden, dass im Betriebszeitraum von 50 Jahren
erwartungsgemäß nur von einer geringen thermischen
Beeinflussung des Nutzhorizontes auszugehen ist, da die erschlossene
Malm-Mächtigkeit mehrere 100 Meter beträgt und somit ein
ausreichend großes Wärmereservoir zur Wiedererwärmung
des injizierten Wassers zur Verfügung steht. Exemplarisch zeigt
… die radiale Kaltwasserausbreitung im Injektionshorizont zu
diesem Zeitpunkt mit einem Radius von ca. 800 m.“[33]
Wärmetransport ausschließlich über die Wärmeleitung
in dichtem Gestein
In diesen Fällen kann die nachhaltige Entnahme
ausschließlich aus dem Wärmestrom abgedeckt werden, der
durch die Wärmeleitung geliefert wird. Der Wärmestrom
hängt dann vom Wärmeleitkoeffizienten ab. Die Entnahme ist
dann so zu gestalten, dass während der geplanten Betriebsdauer
die Rücklauftemperatur nicht unter den Mindeswert absinkt, der
durch das Nutzungskonzept bestimmt wird.
Risiken
Risiken für die Sicherheit eines Geothermieprojekts
Die oberflächennahe Geothermie kann bei der Einhaltung des
Standes der Technik und einer ausreichend intensiven Überwachung
und Wartung so errichtet und betrieben werden, dass in der Regel
keine erheblichen Risiken von solchen Anlagen ausgehen. Durch die
stark angestiegene Verbreitung dieser Nutzungsform, steigt jedoch
auch entsprechend das Risiko von technischem Versagen oder von
Fehlplanungen.
Die tiefe Geothermie muss sehr sorgfältig geplant und
durchgeführt werden, um die damit verbundenen Risiken so gering
wie möglich zu halten. Die Tiefbohrtätigkeiten werden
daher von zahlreichen Behörden intensiv überwacht und
setzen ein umfangreiches Genehmigungsverfahren voraus. So wird das
gegebene Risiko als planbar herstellbar bezeichnet, wenn
z. B. folgende Aspekte beachtet werden:
Risiken
seismischer Ereignisse
Kleinere,
kaum spürbare Erderschütterungen (Seismizität) sind
bei Projekten der tiefen Geothermie in der Stimulationsphase
(Hochdruckstimulation) möglich. Im späteren Verlauf,
soweit nur der Dampf entzogen wird und nicht reinjeziert wird, ist
es durch Kontraktion des Speichergesteins zu Landabsenkungen
gekommen (z. B. in Neuseeland, Island, Italien). Diese Probleme
führten bereits zur Einstellung von Geothermieprojekten (z. B.
Geysers-HDR-Project der AltaRock Energy Inc.[34] Kalifornien
2009[35] und Kleinhüningen bei Basel 2009).
Die Gesteine
des Cooperbeckens in Australien gelten für wirtschaftliche
Bohrtiefen und unabhängig von vulkanischer Aktivität als
vergleichsweise heiß.[36] Als das Reservoir angebohrt wurde,
kam es zu einem kleinen Erdbeben mit einer Magnitude auf der
Richterskala von 3,7.[37]
Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten seismischer
Ereignisse und deren Intensität richtet sich stark nach den
geologischen Gegebenheiten (z. B. wie permeabel die
wasserführende Gesteinsschicht ist) sowie nach der Art des
Nutzungsverfahrens (z. B. mit welchem Druck das Wasser in das
Gestein injiziert wird oder mit welchem Druck stimuliert wird).
Generell ist eine verlässliche Bewertung der Risiken durch
tiefe Geothermie in Deutschland nur begrenzt möglich, da
hierzulande bislang nur wenige langfristige Erfahrungswerte
vorliegen.
Ob stärkere Schadbeben durch Geothermie ausgelöst
werden können, ist derzeit noch umstritten, war aber die
Grundlage für die Einstellung des Vorhabens in Basel.
Die Seismizitäten von Basel und Landau verdeutlichen, dass
eine sorgfältige Planung und Ausführung für die
Aufrechterhaltung der Sicherheit in einem Geothermieprojekt wichtig
ist:
Kleinhüningen bei Basel/Schweiz (2006)
Bei dem Geothermieprojekt Deep Heat Mining Basel in Kleinhüningen
im Großraum Basel/Schweiz gab es seit dem 8. Dezember 2006 im
Abstand von mehreren Wochen bis zu einem Monat fünf leichte
Erschütterungen mit abnehmender Magnitude (von 3,4 bis
2,9).[38][39][40] Dadurch soll ein Schaden zwischen 3 und 5 Mio.
Schweizer Franken (ca. 1,8 bis 3,1 Mio. Euro) entstanden sein[41],
verletzt wurde niemand.
Die Staatsanwaltschaft in Basel hat gegen den Geschäftsführer
der Firma Geothermal Explorers Ltd. wegen
Anklage erhoben.[44] Das Gericht hat den Geologen jedoch
freigesprochen, das strafrechtliche Verfahren ist damit
beendet.[45][46]
Inzwischen wurde entschieden, das
Vorhaben nicht fortzusetzen, da gemäß einer am 10.
Dezember 2009 vorgestellten Risikoanalyse allein während des
Anlagenbaus mit weiteren schweren Erdbeben und mit Schäden von
rund 40 Millionen Franken gerechnet wird. Während des Betriebs
sind zusätzlich Schäden von rund sechs Millionen Schweizer
Franken pro Jahr zu erwarten.[47]
Die Erde beruhigt sich nach derartigen Vorfällen meist nur
langsam und es kommt oft zu einer ganzen Serie kleinerer Erdstöße.
Landau
in der Pfalz (2009)
Auch in Landau in der Pfalz hat es am 15. August und 14. September
2009 leichte Erderschütterungen gegeben, die mit dem
Geothermiekraftwerk Landau in Verbindung gebracht werden.[48] Die
Erdstöße hatten eine Stärke von ca. 2,5 auf der
Richterskala und sind ebenfalls als leicht einzustufen. Die
zuständige Aufsichtsbehörde geht davon aus, dass die in
ihrem Auftrag durchgeführten Berechnungen von vier unabhängigen
Instituten alle bestätigt haben, „dass das Epizentrum
in der Nähe des Kraftwerks liegt“. Andere Auslöser
könnten daher gemäß dem Bericht nahezu
ausgeschlossen werden.[49] Dieser Meinung ist demnach auch die
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Nach
Erfüllung der Auflagen des Landesbergamtes (Errichtung von
Messstationen, Erhöhung der Versicherungsschutzes sowie
möglichst wenig Druckdifferenz beim Anfahren und Abstellen des
Kraftwerks) hat das Kraftwerk den Betrieb wieder aufgenommen.[50]
Inzwischen liegt der Abschlussbericht[51] der Expertengruppe
„Seismisches Risiko bei hydrothermaler Geothermie“
vor, die feststellt, dass das Erdbeben vom 15. August 2009 bei
Landau sich den Ergebnissen der Expertengruppe zur Folge in
unmittelbarer Nähe der Bohrloch-Landepunkte (≤ 2 km
entfernt) und im gleichen Tiefenbereich wie das geothermisch
genutzte Reservoir befindet. Die Expertengruppe ist der Meinung,
dass ein kausaler Zusammenhang zwischen der Seismizität seit
November 2007 im Bereich um Landau, die auch das Erdbeben vom 15.
August 2009 beinhaltet, und der geothermischen Energiegewinnung in
Landau sehr wahrscheinlich ist, da sowohl ein enger räumlicher
als auch ein zeitlicher Zusammenhang gegeben ist. … Die nach
derzeitigem Stand der Wissenschaft anerkannte Theorie zur Ursache
fluidinduzierter Erdbeben besagt, dass durch die Injektion von
Wasser in tiefe Gesteinsschichten der Porenwasserdruck erhöht
werden kann. Hierdurch wird die Scherfestigkeit auf präexistenten
Scher-/Bruchflächen herabgesetzt. Wenn die Spannung im Gestein
nun schon vorher nahe der Scherfestigkeit lag, kann dieses
Herabsetzen dazu führen, dass die Scherspannung im Untergrund
die Scherfestigkeit überschreitet und somit ein Erdbeben
ausgelöst wird. Bei diesem Vorgang werden bereits im Untergrund
vorhandene tektonische Spannungen abgebaut. … Unerwünscht
hohe Seismizität lässt sich nach derzeitigem Wissensstand
durch Reduktion der Fluidfließrate und des Fluiddruckes
verringern. Die langsame Fluidausbreitung im Untergrund führt
jedoch zu einer zeitlichen Verzögerung zwischen der Änderung
der hydraulischen Parameter einer Geothermieanlage und der daraus
folgenden Änderung der Erdbebentätigkeit. Tritt nun eine
unerwünscht hohe Erdbebentätigkeit auf, kann der Prozess
nicht sofort sondern nur zeitlich verzögert verringert werden.
Zu Beweissicherung bei möglicherweise in Zukunft eintretenden
beben empfiehlt empfiehlt die Expertengruppe daher das Folgende: Die
Expertengruppe empfiehlt, Beobachtungsnetze (seismologisches Netz
und Immissionsnetz) so auszulegen, dass innerhalb des Reservoirs
Ereignisse deutlich unterhalb der Spürbarkeitsgrenze
vollständig aufgezeichnet werden können. Die Genauigkeit
bei der Bestimmung der Hypozentren sollte so hoch liegen, dass im
Zweifelsfall ein möglicher Zusammenhang mit der geothermischen
Nutzung hergestellt bzw. ausgeschlossen werden kann und dass
die Betreiber angehalten werden, die kontinuierlichen
seismologischen Wellenformdaten in Echtzeit in ein gemeinsames
Datenzentrum einfließen zu lassen sowie vereinheitlichte und
abgestimmte seismologische Datenformate zu verwenden sowie die
Berechnung der Überschreitenswahrscheinlichkeit als Funktion
der maximalen Bodenschwinggeschwindigkeit (seismische
Gefährdungskurve) innerhalb der angenommenen Laufzeit der
Geothermieanlage (z. B. 30 Jahre) als Maß für die
seismische Gefährdung durchzuführen sowie numerische
Reservoirmodellierungen durchzuführen. Hierbei sollte gemäß
dem Bericht die durch das Geothermiereservoir verursachte
hydraulische Druckausbreitung, die thermische Kontraktion und die
daraus resultierenden Spannungs-änderungen im Untergrund
abgeschätzt werden. Ferner soll nach Meinung der Expertengruppe
bereits im Voraus ein Reaktionsschema erstellt werden, falls
unerwünschte Erdbeben wider Erwarten auftreten sollten, um
bereits im Vorfeld festzulegen, wie beim Eintreten bestimmter
Seismizität zu reagieren ist. Um durch die Beweissicherung im
Schadensfall eine schnelle Regulierung zu garantieren, soll gemäß
dem Bericht eine Messnetzes zur Bestimmung der
Bodenschwinggeschwindigkeit nach DIN 4150 errichtet werden. Die
Expertengruppe stellt fest, dass bis zum 1. Oktober 2010 63
Schadensanmeldungen beim Beteiber des Vorhabens eingegangen
sein.[52]
Potzham/Unterhaching bei München (2009)
Am 2. Februar 2009 wurden bei Potzham
nahe München zwei Erdstöße der Stärke 1,7 und
2,2 auf der Richterskala gemessen. Potzham liegt in unmittelbarer
Nähe des 2008 fertig gestellten Geothermiekraftwerks
Unterhaching. Die gemessenen Erdstöße ereigneten sich ca.
ein Jahr nach Inbetriebnahme dieses Kraftwerks.[53] Aufgrund der
großen Herdtiefe ist ein unmittelbarer Zusammenhang zum
Geothermieprojekt Unterhaching jedoch fraglich. Weitere Beben wurden
gem. Geophysikalischem Observatorium der Uni München in
Fürstenfeldbruck dort nach der Installation weiterer
Seismometer zwar beobachtet, lagen jedoch alle unter der
Fühlbarkeitsgrenze. Auch die größten Ereignisse in
Potzham lagen unterhalb der Fühlbarkeitsgrenze gemäß
der Einteilung der Richterskala. Sie wurden daher mit hoher
Wahrscheinlichkeit auch nicht verspürt sondern nur von Geräten
aufgezeichnet.
Schäden an Gebäuden und Infrastruktur (indirekt) durch
Verformung der Tagesoberfläche (Hebungen/Senkungen) oder
(direkt) durch Bohrungen
Oberflächennahe
Geothermie
In
Deutschland gibt es derzeit fast 200.000 Installationen der
oberflächennahen Geothermie. Jährlich kommen etwa 40.000
neu dazu. In einigen Fällen sind Probleme aufgetreten, die
jedoch vor Allem einen Bedarf an verbesserter Qualitätskontrolle
und Qualitätssicherung aufgezeigt haben. Herausragend ist in
diesem Zusammenhang die Katastrophe von Staufen zu nennen. Dieser
und weitere Problemfälle sind nachfolgend aufgeführt; die
Stadt Freiburg hat in der Folge ihre Auflagen für die Nutzung
oberflächennaher Geothermie verschärft, sie sind jetzt
genehmigungspflichtig.[54][55]
In Staufen
traten im Jahr 2008 nach dem Abteufen mehrerer Erdwärmesonden
(mit je ca. 140 m Tiefe), zur Beheizung unter anderem des
Rathauses, erhebliche kleinräumige Hebungen von bis zu 20 cm
im bebauten Stadtgebiet auf, die zu großen Zerrungen und
Stauchungen bzw. Schiefstellungen an Gebäuden führten.
Über 200 Häuser wurden dabei erheblich beschädigt.
Die Ursache ist offiziell noch nicht geklärt, wahrscheinlich
fand aber eine Reaktion von Wasser mit Anhydrit (wasserfreier,
dehydrierter Gips) statt.[56] Durch die Umwandlung von Anhydrit zu
Gips nimmt das Gestein Kristallwasser auf, wodurch es an Volumen
zunimmt. Geschieht dies großflächig, so wird die
Ausdehnung ggf. zur Tagesoberfläche übertragen und führt
dort zu punktuellen Hebungen, wodurch die Tagesoberfläche
deformiert wird. Dadurch entstehen Risse an den betroffenen Häusern.
Das Problem des Aufquellens von Anhydrit bei der Umwandlung zu Gips
ist aus dem Tunnelbau und dem Tiefbau bekannt und hängt von den
regionalen geologischen Bedingungen ab (z. B. im sog.
Gipskeuper Südwestdeutschlands). Unter Umständen spielt
auch das Fehlen einer äußeren Verrohrung in den Bohrungen
eine Rolle (Man hätte in einer verrohrten Bohrung bohren
müssen. Dann hätte eine äußere Verrohrung der
Bohrung den Kontakt zwischen Grundwasser und Gips-Keuper sehr stark
reduziert bis vermieden[57]). Die Umwandlung von Anhydrit zu
Gips ist auch ein natürlicher Prozess, immer wenn ein
Anhydrit-haltiges Gestein innerhalb der Verwitterungszone mit
Oberflächenwasser, Niederschlagswasser bzw. Grundwasser in
Kontakt kommt (Hydratationsverwitterung). Ab einer bestimmten Tiefe
in der Erdkruste sind die Druck- und Temperaturverhältnisse so
hoch, dass eine Kristallumwandlung trotz Wasserkontakt nicht mehr
eintritt.
In Kamen haben sich nach
Erdwärmebohrungen zur Erschließung oberflächennaher
Geothermie im Juli 2009 mehrere Tage lang die Häuser gesetzt.
„Die Ursache, warum in Kamen-Wasserkurl 48 Kubikmeter Boden
plötzlich in einem Loch verschwanden, ist geklärt:
Erdwärmebohrungen vergrößerten bereits vorhandene
Risse im Felsgestein. Die Schuldfrage kann indes nur in einem
langwierigen Rechtsverfahren geklärt werden.“[58]
Allgemeine
Risiken
Bei der Förderung von Thermalfluiden (Wasser/Gas) stellen
ggf. die Wasserinhaltsstoffe eine Umweltgefahr dar, falls das Fluid
nicht reinjiziert wird. Die Reinjektion der Thermalfluide ist jedoch
mittlerweile Standard.
Nach gesetzlichen Bestimmungen muss ausgeschlossen werden, dass
Quellen oder sogar Heilquellen durch das Geothermieprojekt
beeinträchtigt werden. Enthalten die durchströmten
Erdschichten Sulfide, so kann
Schwefelwasserstoff freigesetzt werden.
Wichtig ist auch der Aspekt der Versauerung von Wasser aus
tiefen, sauerstofffreien Grundwasserschichten wegen Oxidation von
Eisen II zu Eisen III (Bildung von braunem Eisenoker) zu beachten.
Durch Ableitung von Eisen II -haltigem Wasser in eine Vorflut
(Bach oder Fluss) findet die Oxidation zu Eisen III unter
Sauerstoffverzehr im Fluss statt, wodurch, je nach Konzentrationen,
mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Fischsterben eintritt, da
dann kein gelöster
Sauerstoff im Wasser für die Fische zur Atmung zur Verfügung
steht und
auch die Fische beim Luftschnappen an der Oberfläche
über die Kiemen keinen Sauerstoff aufnehmen können, da
die Kiemen mit Eisenoker zugesetzt und damit für den
Sauerstoff undurchlässig, also verstopft werden. Das
Verursachen eines Fischsterbens ist eine Straftat nach § 324
(Gewässerverunreinigung), § 326 (Unerlaubter Umgang mit
gefährlichen Abfällen), § 329 (Gefährdung
schutzbedürftiger Gebiete), § 330 Abs. 1 Nr. 1
„ein Gewässer … derart beeinträchtigt, daß
die Beeinträchtigung nicht, nur mit außerordentlichem
Aufwand oder erst nach längerer Zeit beseitigt werden kann“
(Besonders schwerer Fall einer Umweltstraftat) Strafgesetzbuch.
Im Bereich der oberflächennahen Geothermie besteht das
Risiko, bei Nutzung eines tieferen Grundwasserleiters den trennenden
Grundwassernichtleiter derart zu durchstoßen, dass ein die
Grundwasserstockwerke verbindendes Fenster entsteht, mit der
möglichen Folge nicht gewünschter Druckausgleiche und
Mischungen. Bei einer ordnungsgemäßen Ausführung der
Erdwärmesonde wird dies allerdings zuverlässig verhindert.
Ein weiteres potenzielles Risiko bei
einer Geothermiebohrung ist das Durchbohren von Artesern, da der
artesische Austritt von Grundwasser nur sehr schwer beziehungsweise
kostenaufwändig zu stoppen ist und sehr große Schäden
durch eine dann eintretende Überschwemmung eintreten können
(Straftat nach dem § 313 Strafgesetzbuch).[59]
Auch gespannte Gase können unvermutet angetroffen werden.
Denkbar sind Kohlendioxid, Stickstoff aber auch Erdgas
gegebenenfalls in Zusammenhang mit Erdöl. Solche Funde sind
meistens nicht wirtschaftlich verwertbar, führen aber zu hohen
Zusatzkosten auch wegen
Bei der Planung sollte daher sorgfältig untersucht werden,
welche geologischen Risiken bei der Planung durch entsprechende
Sicherungsmaßnahmen wie Preventer, Verrohrung, Schwerspülung
etc. nachweislich mit ausreichender Sicherheit beherrscht werden
müssen.
Schäden nach
Geothermiebohrung zur Erkundung der oberflächennahen Geothermie
am Finanzministerium in Wiesbaden
Regeln der Technik zur Minimierung der Risiken
Zur Beherrschung des Problems
Induzierte Seismizität hat der GtV-Bundesverband Geothermie mit
Hilfe einer internationalen Forschergruppe ein Positionspapier
erarbeitet, das als Hauptteil umfangreiche Handlungsanweisungen zur
Beherrschung der Seismizät bei Geothermieprojekten
vorschlägt.[60]
Im
Zusammenhang mit Gebäudeschäden in der Stadt Staufen ist
eine Diskussion um Risiken der oberflächennahen Geothermie
entbrannt. Untersuchungen dazu, ob das Aufquellen von Anhydrit die
Ursache sein könnte, wurden inzwischen beauftragt. Das
Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg hat
als Konsequenz empfohlen, bei Gips- oder Anhydritvorkommen im
Untergrund auf Erdwärmebohrungen zu verzichten.[61] Da ganz
geringe Mengen an Gips/Anhydrit bei etwa zwei Drittel der Fläche
des Landes vorkommen können, deren genaue Verbreitung aber
weitgehend unbekannt ist, wurde diese Vorgehensweise von der
Geothermie-Industrie als überzogen kritisiert.[62]
Hinweise, wie eine sichere
Geothermiebohrung hergestellt werden kann, findet man im Leitfaden
zur Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden des
Umweltministeriums Baden-Württemberg.[63]
Risiken für die Wirtschaftlichkeit eines Geothermieprojekts
Risiken für die Wirtschaftlichkeit eines oberflächennahen
Geothermieprojekts
Bei der oberflächennahen Geothermie besteht das größte
Risiko in einer Übernutzung der Geothermiepotentiale. Wenn
benachbarte Geothermieanlagen sich gegenseitig beeinflussen, kann
die Vorlauftemperatur der im Abstrom des Grundwassers gelegene
Anlage so weit abgesenkt werden, dass die Wärmepumpe nur noch
mit einer sehr ungünstigen Leistungszahl betrieben werden kann.
Dann heizt der Nutzer im Grunde genommen mit Strom und nicht mit
Erdwärme. Das tückische daran ist, dass die Fläche im
Anstrom des Grundwassers, in der eine Errichtung einer weiteren
Anlage zu einer zusätzlichen erheblichen Absenkung der
Temperatur des Grundwassers für die betroffene Anlage führt,
sehr groß sein kann und es für den Betreiber schwierig
ist, die Ursache hierfür zu erkennen. Er wird das
wahrscheinlich nur merken, wenn er den außentemperaturbereinigten
Stromverbrauch ins Verhältnis zur genutzten Wärmemenge
setzt, um so die Leistungszahl beobachten zu können. Das
erfordert aber die Kenntnis der mittleren wirksamen Außentemperatur
und der im Haus abgegebenen Wärmemenge und bedarf eines großen
Messaufwandes.
Risiken für die Wirtschaftlichkeit eines tiefen
Geothermieprojekts
Bei der tiefen Geothermie ist vor allem das Fündigkeitsrisiko
und das Umsetzungsrisiko zu beachten.
Die Risiken können beim Eintreten des Schadensfalls zu einer
Unwirtschaftlichkeit des Vorhabens führen. Um das Scheitern von
Geothermieprojekten zu verhindern, bietet die öffentliche Hand
manchmal Bürgschaften an (z. B. durch die KfW) die wirksam
werden, wenn zum Beispiel in einer Bohrung kein heißes
Tiefenwasser in ausreichender Menge angetroffen wird.
Fündigkeitsrisiko
Wenn zum Beispiel die Geothermie von der Erschließung von
in Klüften zirkulierendem heißen Tiefenwassers abhängt
– heißen Quellen –, hängt der
Erfolg natürlich davon ab, ob bei der Bohrung solche Heißwasser
führenden Klüfte mit ausreichender Schüttung
tatsächlich angetroffen werden.
Umsetzungsrisiko
Wenn beispielsweise Kluftzonen durch einen Riss (Frac) erst
geschaffen werden müssen, um zwei Bohrungen zu verbinden und
dabei die Oberfläche des aufgerissenen Gebirges als
Flächenwärmetauscher zu nutzen, dann kann es passieren,
dass die Risse die Bohrung nicht verbinden oder nach einiger Zeit
kollabieren und damit ihre Funktion verlieren. Hier kann man von dem
Umsetzungsrisiko sprechen, welches je nach Konzept und Standort
unterschiedlich hoch sein kann.
Betriebsrisiko
Während des Betriebes können Prozesse zu Einwirkungen
auf das Projekt führen, die den Wärmeertrag so minderen,
dass unplanmäßige Wartungsarbeiten erforderlich werden
(z. B. Auflösungen von Kristallbildungen durch Säuerung).
Da dann meistens teure Bohrausrüstungen angemietet und
Fachleute bezahlt werden müssen, kann das zur
Unwirtschaftlichkeit des Gesamtvorhabens führen.
Konkurrierende
Nutzung
Konkurrierende Nutzung zur
Tiefengeothermie können Projekte der Kohlenwasserstoffförderung
oder- speicherung darstellen. Vor allem der starke Ausbau von
Untertage-Gasspeichern steht in einigen Regionen Deutschlands
(Molasse, Norddeutsche Ebene, Rheintalgraben) in direkter Konkurrenz
zu tiefengeothermischen Projekten. Aktuell in der Diskussion ist
auch die Nutzungkonkurrenz durch die Absicht großer
Kohlekraftwerksbetreiber und der Industrie, verflüssigtes CO2
in den Untergrund zu Verpressen (CCS-Technologie). Die RWE Dea AG
hat dazu bereits die Hälfte des Landes Schleswig-Holstein
bergrechtlich reserviert. Sollte es zu einer
Untersuchungsgenehmigung kommen, so wäre dieser Bereich für
die Aufsuchung und Nutzung von Erdwärme ausgeschlossen.[64]
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tab.fzk.de (PDF) Seite 18
↑ Tiefen-Geothermie in
Down Under. Australien sieht sich als Labor für die
umstrittene «hot rock»-Technologie
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↑ Tiefen-EWS Oftringen
(706 m) (PDF) Direktheizen mit einer 40-mm-2-Kreis
PE-Tiefen-Erdwärmesonde
↑ patent-de.com
↑ MDR-online: Der
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↑ NZZ-online: Stör
als Frutigtaler Qualitätsprodukt, 16. September 2006
↑ jenbach.at: Geothermisches
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↑
http://www.gmk.info/ORC_Geothermie.113.html?
↑ Geothermie gerät
unter Druck. In: taz
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↑ Bundesverband Geothermie.
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in der englischsprachigen Wikipedia
↑ Geothermie unter Druck:
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↑ Basler Zeitung: Erneut
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↑ Erneut Erdbeben am
Bohrloch von Basel. In: Spiegel Online, 16. Januar 2007
↑ news.ch: Erneuter
Geothermie-Erdstoss in der Region Basel, 21. März 2007
↑ Basler Zeitung:
Geothermie-Erdstösse: 3 bis 5 Millionen Franken Schaden
↑ Die Bundesbehörden
der Schweizerischen Eidgenossenschaft: Art. 144 Sachbeschädigung
im 2. Buch des Strafgesetzbuches der Schweiz
↑ Die Bundesbehörden
der Schweizerischen Eidgenossenschaft: Art. 227 Verursachen …
eines Einsturzes im 2. Buch des Strafgesetzbuches der Schweiz
↑ NZZ-online: Anklage
wegen Verursachung von Erdbeben, 5. März 2008
↑ Freispruch für den
leitenden Geologen. In: Spiegel-online, 22. Dezember 2009.
Abgerufen am 22. Dezember 2009.
↑ Freispruch für
Erdbebenmacher - Geologe hat nicht vorsätzlich gehandelt. In:
NZZ Online, 21. Dezember 2009 (22. Dezember 2009)
↑ Definitives Aus für
Basler Geothermieprojekt. In: Neue Zürcher Zeitung, 10.
Dezember 2009. Abgerufen am 11. Dezember 2009.
↑ Das Beben von Landau.
In: Der Spiegel. Nr. 39, 2009 (Online).
↑ ad hoc news:
Betriebsgenehmigung – Hinweise auf Geothermie-Werk als
Erdbeben-Ursache verdichten sich, 15. Oktober 2009
↑ Landau:
Geothermie-Kraftwerk läuft wieder. In: Mannheimer
Morgen
↑ Abschlussbericht (PDF)
↑ Nach den von vereidigten
Sachverständigen erstellten Baugutachten sind 51 (= 81
Prozent) der Meldungen gesichert keine Erschütterungs-,
sondern vor allem herkömmliche Bauschäden. Demnach wurden
12 Meldungen als Erschütterungsschäden eingestuft, wobei
bei allen 12 Meldungen es sich nach den Gutachten ausschließlich
um „haarfeine Schönheitsrisse ohne baustatische
Relevanz“ handelt.
↑ Erdbebendienst Bayern:
Erdbeben in Bayern seit dem Jahr 1390
↑ Beate Beule: Restrisiko
– Freiburg verschärft Auflagen für
Geothermie-Projekte. In: Badische Zeitung, Lokales,
Freiburg, 16. März 2010 (17. Oktober 2010)
↑ badische-zeitung.de,
Nachrichten, Südwest, 26. Februar 2010, Bastian Henning: Ein
Traum ist geplatzt – Basel, Staufen und Schorndorf in
Schwaben haben das Vertrauen in die Geothermie erschüttert
(17. Oktober 2010)
↑ Nach Erdwärme-Bohrung:
Eine Stadt zerreißt''. In: Spiegel Online, 15.
November 2008
↑ Zitat aus einem Interview
in Forschung aktuell, Deutschlandfunk, 29. Juni 2009
↑ derwesten.de
↑ (Zum Beispiel jüngst
Arteser am hessischen Finanzministerium Wiesbaden, der nach einiger
Zeit mit Zement ausreichender Dichte totgepumpt wurde).
↑ Positionspapier
Seismizität (PDF)
↑ Staatsanzeiger Nr 6
vom 20. Februar 2009, S. 13.
↑ Modernisierungsmagazin
1–2, 2009, S. 9.
↑ Leitfaden zur Nutzung von
Erdwärme mit Erdwärmesonden des Umweltministeriums
Baden-Württemberg (PDF).
↑ Verbändeanhörung im BMWi am 27. August 2010
zeigt erhebliche Widerstände gegen neuen Anlauf für
CCS-Gesetz.
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Dieser Artikel wurde am 23. September 2005 in dieser Version
in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.
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